Kurz gesagt: Die kanarische Küche ist einfach und kräftig: Runzelkartoffeln mit Mojo, Eintöpfe, Ziegenkäse, Fisch vom Grill. Sie unterscheidet sich deutlich vom spanischen Festland, mit Einflüssen aus Lateinamerika und von den Ureinwohnern. Am besten isst du abseits der Promenaden, in Dörfern, Hafenorten und auf Teneriffa in den Guachinches.
Auf einen Blick
- Muss man probieren: Papas arrugadas con mojo, Gofio, Ziegenkäse, gegrillter Fisch
- Essenszeiten: mittags ab etwa 13 Uhr, abends ab etwa 20 Uhr, in Ferienorten auch früher
- Vegetarisch: Kartoffeln, Käse, Gemüseeintöpfe, bei Eintöpfen nach Fleisch fragen
- Besonderheit: Guachinches im Norden Teneriffas
Die Klassiker: Was steht fast überall auf der Karte?
Diese Gerichte findest du auf allen sieben Inseln. Sie werden oft als kleine Portionen zum Teilen bestellt, ähnlich wie Tapas.
- Papas arrugadas con mojo: kleine Kartoffeln, in stark gesalzenem Wasser gekocht, bis die Schale runzelt und eine Salzkruste bleibt. Du isst sie mit Schale. Dazu gibt es Mojo rojo (rote Soße aus Paprika, Knoblauch und Kreuzkümmel, als Mojo picón schärfer) und Mojo verde (grün, mit Koriander oder Petersilie).
- Gofio: Mehl aus geröstetem Getreide, meist Mais oder Weizen, das schon die Ureinwohner aßen. Es kommt als Escaldón (mit Fischbrühe angerührt), in Eintöpfen, in der Milch zum Frühstück oder als Dessert auf den Tisch.
- Ropa vieja: Kichererbsen mit zerzupftem Fleisch, Kartoffeln und Paprika.
- Puchero canario: kräftiger Eintopf mit Gemüse, Kichererbsen und mehreren Fleischsorten.
- Conejo en salmorejo: Kaninchen in einer Marinade aus Knoblauch, Paprika, Essig und Kräutern.
Käse: der unterschätzte Star
Auf den Kanaren wird viel Ziegenkäse gemacht, frisch (tierno), halbgereift (semicurado) oder gereift (curado). Die Rinde ist oft mit Paprika oder Gofio eingerieben.
- Queso Majorero: Ziegenkäse aus Fuerteventura mit geschützter Herkunftsbezeichnung.
- Queso Palmero: Ziegenkäse aus La Palma, häufig leicht geräuchert.
- Queso de Flor de Guía: weicher Käse aus dem Norden Gran Canarias, mit Distelblüten statt Lab dickgelegt.
- Queso asado: gegrillter Käse, serviert mit Mojo oder Palmhonig.
- Almogrote: würzige Paste aus gereiftem Käse, Paprika, Knoblauch und Öl von La Gomera, aufs Brot gestrichen.
Fisch und Meeresfrüchte
In den Hafenorten kommt Fisch meist schlicht vom Grill oder aus der Pfanne, mit Papas und Mojo. Oft zeigt dir die Bedienung den Fang des Tages, der Preis richtet sich dann nach Gewicht. Frag vor der Bestellung nach, was das Stück kostet.
- Vieja: Papageifisch mit feinem, weißem Fleisch, der typischste Fisch der Inseln.
- Cherne und Sama: feste, große Fische, als Filet oder im Ganzen.
- Sancocho canario: gesalzener Fisch mit Kartoffeln, Süßkartoffel, Mojo und einer Rolle aus geknetetem Gofio.
- Lapas: Napfschnecken vom Grill mit grünem Mojo.
Süßes, Kaffee und Wein
Die Desserts sind süß und mächtig, eine Portion reicht meist für zwei. Beim Kaffee hat Teneriffa eine eigene Spezialität.
- Bienmesabe: Creme aus Mandeln, Ei und Zucker, oft mit Eis serviert.
- Quesillo: kanarischer Flan aus Eiern und Kondensmilch.
- Barraquito: Schichtkaffee mit Kondensmilch, Likör, Milchschaum, Zimt und Zitronenschale. Ohne Alkohol bestellst du einen Leche y leche.
- Wein: Auf Lanzarote wachsen die Reben in La Geria in Mulden aus Vulkanasche, bekannt ist der Malvasía. Auch Teneriffa, La Palma und Gran Canaria haben eigene Anbaugebiete.
Guachinches: Hausmannskost beim Winzer
Guachinches sind einfache Lokale im Norden Teneriffas, in denen Winzer ihren eigenen Wein ausschenken und dazu wenige hausgemachte Gerichte anbieten. Viele sitzen in Garagen oder auf Terrassen von Wohnhäusern und öffnen nur, solange der Wein der letzten Ernte reicht. Die Karte ist kurz, oft wird sie nur angesagt, bezahlt wird häufig bar. Die meisten liegen in den Weinorten zwischen La Laguna und La Orotava. Das ist einer der Gründe, bei Teneriffa Nord oder Süd den Norden nicht auszulassen.
Wo du gut isst und wie du bestellst
Die Faustregel ist dieselbe wie überall in Spanien: je weiter weg von der Promenade, desto besser das Verhältnis von Preis und Qualität.
- Bestelle mehrere Gerichte für die Tischmitte, als ganze oder halbe Portion (ración oder media ración).
- Mittags gibt es in vielen Lokalen ein Tagesmenü (menú del día) mit mehreren Gängen und Getränk.
- Trinkgeld ist freiwillig. Üblich ist aufrunden oder etwas Kleingeld.
Zum Vergleich mit dem Festland: Andalusisch essen. Welche Insel zu deinem Urlaub passt, zeigt Welche Kanareninsel passt zu mir? Für längere Aufenthalte: Überwintern auf den Kanaren.
Häufige Fragen
Ist Mojo scharf?
Mojo verde ist mild und frisch. Mojo rojo ist würzig, als Mojo picón leicht bis deutlich scharf, je nach Koch.
Isst man die Schale der Papas arrugadas mit?
Ja. Die Salzkruste auf der Schale gehört zum Gericht.
Kann man auf den Kanaren vegetarisch essen?
Ja, mit Papas arrugadas, gegrilltem Käse, Salaten und Gemüsegerichten. Eintöpfe enthalten oft Fleisch oder Fleischbrühe, frag deshalb nach.
Wann essen die Einheimischen?
Mittags ab etwa 13 Uhr, abends ab etwa 20 Uhr. In den Ferienorten haben viele Küchen durchgehend geöffnet.
Quellen
- Turismo de Tenerife: offizielle Tourismusseite
- Visit La Palma: offizielle Tourismusseite
- CACT Lanzarote: Besucherzentren, darunter die Casa Museo del Campesino
Stand: Oktober 2026
Stand Oktober 2026. Öffnungszeiten, Preise und Zugangsregeln ändern sich. Prüfe sie vor deinem Besuch auf den offiziellen Seiten.
Titelbild: Gerda Arendt · Wikimedia Commons · CC0


