Auswandern

Warum Spanien? 9 gute Gründe und 5 ehrliche Nachteile

Von deinSpanien-Redaktion · Aktualisiert am 30.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Für Spanien sprechen rund 2.900 Sonnenstunden im Jahr, die höchste Lebenserwartung im Vergleich mit Deutschland und Österreich, niedrigere Preise und fast flächendeckende Glasfaser. Dagegen stehen niedrigere Gehälter, hohe Arbeitslosigkeit, steigende Wohnungspreise und heiße Sommer. Wer sein Einkommen mitbringt, hat die Vorteile fast ohne die Nachteile.

Auf einen Blick

  • Sonne: Málaga 2.905 Stunden im Jahr, Hamburg 1.617
  • Lebenserwartung: Spanien 84,0 Jahre, Österreich 82,1, Deutschland 81,2 (2024)
  • Preisniveau: Spanien 90,7, Deutschland 109,1, Österreich 119,7 (EU = 100)
  • Internet: Glasfaser für 95,92 % der Haushalte
  • Größter Haken: Durchschnittsgehalt rund 33.600 € gegenüber 53.791 € in Deutschland
  • Für wen: besonders für Menschen mit Rente, Arbeit am Laptop oder gefragtem Beruf

Spanien, Deutschland und Österreich in Zahlen

Gefühle sind beim Auswandern wichtig, aber sie zahlen keine Miete. Deshalb zuerst die Zahlen, alle aus amtlichen Statistiken von Eurostat, dem spanischen Statistikamt INE und dem Digitalministerium.

Kennzahl Spanien Deutschland Österreich
Lebenserwartung bei Geburt (2024) 84,0 Jahre 81,2 Jahre 82,1 Jahre
Preisniveau gesamt (EU = 100, 2024) 90,7 109,1 119,7
Preisniveau Lebensmittel 95,2 102,7 110,5
Preisniveau Wohnen und Energie 96,5 113,1 113,3
Preisniveau Restaurants und Hotels 83,9 112,1 110,0
Diebstähle je 100.000 Einwohner (2024) 293 357 700

Rechnerisch liegt das spanische Preisniveau damit rund 17 % unter dem deutschen und rund 24 % unter dem österreichischen. Das sind Durchschnitte für das ganze Land, regionale Werte für Andalusien oder die Kanaren weist Eurostat nicht aus.

Ort Sonnenstunden pro Jahr
Granada 2.917
Sevilla rund 2.917
Santa Cruz de Tenerife 2.913
Málaga 2.905
Gran Canaria (Flughafen) rund 2.822
Berlin 1.736 bis 1.820 je nach Station
Hamburg 1.617

Die spanischen Werte sind langjährige Mittel des Wetterdienstes AEMET (1981 bis 2010), die deutschen stammen vom Deutschen Wetterdienst (1991 bis 2020). Die Zeiträume sind also nicht identisch, der Abstand von über 1.000 Stunden ist trotzdem eindeutig.

9 gute Gründe für Spanien

Nicht jeder Grund zählt für jeden gleich. Such dir die drei heraus, die für dein Leben den Unterschied machen.

  1. Sonne und Licht. In Andalusien und auf den Kanaren scheint die Sonne rund 2.800 bis 2.900 Stunden im Jahr, in Hamburg 1.617. Das verändert den Alltag: Man ist draußen, auch im Januar.
  2. Milde Winter. Auf den Kanaren liegt das Januarmittel bei rund 18 °C. An der andalusischen Küste sitzt du im Winter mittags oft im T-Shirt im Café.
  3. Hohe Lebenserwartung. Mit 84,0 Jahren liegt Spanien deutlich über dem EU-Schnitt von 81,5 Jahren. Die Region mit dem höchsten Wert der ganzen EU ist Madrid mit 85,7 Jahren.
  4. Niedrigere Preise. Vor allem Essen gehen ist günstig: Restaurants und Hotels kosten in Spanien rund ein Viertel weniger als in Deutschland. Wie sich das auf dein Budget auswirkt, rechnest du unter Lebenshaltungskosten in Spanien durch.
  5. Schnelles Internet fast überall. Glasfaser erreicht 95,92 % der Haushalte, 5G 99,27 % der Bevölkerung. Laut EU-Kommission liegen alle spanischen Kennzahlen zur digitalen Infrastruktur über dem EU-Durchschnitt. Das alte Kupfernetz ist seit Mai 2025 abgeschaltet.
  6. Einfacher Zugang als EU-Bürger. Du brauchst kein Visum und keine Arbeitserlaubnis. Deine Rente wird nach Spanien überwiesen, und als Rentner nimmst du deine Krankenversicherung mit dem Formular S1 mit.
  7. Du bist nicht allein. In Spanien leben 131.830 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit (Stand 1. Januar 2025), ein Jahr zuvor waren es 128.049. Insgesamt haben mehr als 7,4 Millionen der knapp 50 Millionen Einwohner einen ausländischen Pass.
  8. Viel Auswahl auf kleinem Raum. Großstadt, Bergdorf, Atlantikstrand oder Vulkaninsel: Andalusien und die Kanaren decken fast jede Vorstellung ab. Den Vergleich findest du unter Wohin in Spanien?
  9. Arbeitnehmerrechte und freie Zeit. Das Gesetz garantiert mindestens 30 Kalendertage Urlaub im Jahr, dazu kommen bis zu 14 Feiertage.

Und das, was in keiner Statistik steht

Die besten Gründe für Spanien stehen in keiner Tabelle: etwas Neues erleben und Sonne. Bleiben möchte man dann oft wegen der Leichtigkeit im Alltag und weil sich die Menschen hier Zeit nehmen.

5 ehrliche Nachteile

Spanien ist kein Paradies mit besserem Wetter. Diese fünf Punkte solltest du kennen, bevor du kündigst.

1. Der Arbeitsmarkt ist schwierig

Die Arbeitslosenquote lag im 2. Quartal 2026 landesweit bei 9,87 %. Andalusien hat mit 14,56 % die höchste Quote aller spanischen Regionen. Ohne gutes Spanisch ist die Auswahl an Stellen noch kleiner. Welche Wege es trotzdem gibt, zeigt Arbeiten in Spanien.

2. Die Gehälter sind niedriger

Das durchschnittliche Vollzeitgehalt lag 2024 in Spanien bei rund 33.600 € im Jahr, in Deutschland bei 53.791 € (EU: 39.800 €). Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 2026 brutto 1.221 € in 14 Zahlungen, also 17.094 € im Jahr. Die niedrigeren Preise gleichen diesen Abstand nicht aus.

3. Wohnen wird schnell teurer

Die Kaufpreise für Wohnungen stiegen im 2. Quartal 2026 im Jahresvergleich um 12,2 %, in Andalusien um 11,9 % und auf den Kanaren um 11,0 %. Auch die Angebotsmieten ziehen an: in Andalusien um 5,2 % und auf den Kanaren um 4,3 % gegenüber dem Vorjahr (Idealista, September 2026).

4. Sommerhitze und wenig Wasser

Im Juli und August liegt die mittlere Tageshöchsttemperatur in Sevilla bei rund 36 °C und in Granada bei knapp 35 °C, einzelne Tage liegen deutlich darüber. An der Küste (Málaga rund 31 °C) und auf den Kanaren (27 bis 29 °C) ist es milder. Dazu kommt wenig Regen: 365 mm im Jahr in Granada, 226 mm in Santa Cruz de Tenerife und 151 mm am Flughafen Gran Canaria.

5. Bürokratie und Sprache

Dafür gibt es keine belastbare Kennzahl, aber jeder Auswanderer kennt es: Termine sind knapp, Formulare gibt es nur auf Spanisch und am Schalter spricht kaum jemand Englisch. Mit der richtigen Reihenfolge wird es deutlich leichter. Sie steht im Leitfaden Auswandern nach Spanien Schritt für Schritt.

Achtung: Die Zahlen zur Kriminalität sind zwischen Ländern nur eingeschränkt vergleichbar, weil jedes Land Straftaten anders erfasst. Darauf weist Eurostat selbst hin. Nimm sie als grobe Richtung, nicht als Rangliste.

Für wen lohnt sich Spanien besonders?

Die Nachteile treffen vor allem Menschen, die ihr Einkommen auf dem spanischen Arbeitsmarkt verdienen müssen. Wer sein Geld mitbringt, bekommt die Vorteile fast ohne Abstriche.

  • Ruheständler: Rente aus Deutschland oder Österreich, niedrigere Preise, mildes Klima. Details unter Als Rentner nach Spanien.
  • Remote-Arbeitende und Selbstständige: Einkommen von zu Hause, schnelles Internet. Die Regeln stehen unter Als Digital Nomad nach Spanien.
  • Fachkräfte mit Vertrag: Wer mit Arbeitsvertrag oder Entsendung kommt, umgeht die Jobsuche. Mehr unter Als Expat nach Spanien.
  • Familien: viel Zeit draußen, kostenlose Vorschule ab drei Jahren. Schule und Kita erklärt Auswandern mit Familie.

Wie findest du heraus, ob es zu dir passt?

Ein Urlaub beantwortet die Frage nicht, ein Probemonat schon eher. Miete dir für ein bis drei Monate etwas am Wunschort und lebe dort Alltag: einkaufen, arbeiten, einen Arzttermin machen, ein Amt besuchen. Am besten einmal im Hochsommer und einmal im Winter. Wenn du danach immer noch bleiben willst, weißt du mehr als nach jedem Vergleich.

Häufige Fragen

Ist das Leben in Spanien wirklich günstiger als in Deutschland?

Im Durchschnitt ja: Das Preisniveau liegt laut Eurostat rund 17 % unter dem deutschen. Am größten ist der Abstand bei Restaurants und Hotels, am kleinsten bei Lebensmitteln. In beliebten Küstenorten können die Mieten aber auf deutschem Niveau liegen.

Wie viele Deutsche leben in Spanien?

131.830 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit (Stand 1. Januar 2025). In Deutschland geboren sind 180.264 Einwohner Spaniens. Zum Vergleich: Briten sind es 266.462.

Ist Spanien ein sicheres Land?

Die Zahlen sprechen dafür. 2024 registrierte die Polizei in Spanien 0,72 vorsätzliche Tötungsdelikte je 100.000 Einwohner, in Deutschland 0,83 und in Österreich 0,85. Ländervergleiche sind wegen unterschiedlicher Erfassung aber nur eingeschränkt aussagekräftig.

Was ist der größte Nachteil an Spanien?

Für die meisten das Einkommen. Gehälter sind deutlich niedriger als in Deutschland oder Österreich, und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Wer vor Ort einen Job braucht, sollte das zuerst klären.

Kann ich in Spanien von zu Hause arbeiten?

Technisch fast überall: Glasfaser erreicht 95,92 % der Haushalte, im ländlichen Raum haben 86,01 % ein Netz mit 1 Gbit pro Sekunde. Rechtlich musst du vorher Sozialversicherung und Steuern klären.

Titelbild: Martin Haisch · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0

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