Kurz gesagt: Das spanische Digital-Nomad-Visum ist für Menschen von außerhalb der EU gedacht. Als Deutscher oder Österreicher brauchst du es nicht, du darfst ohne Visum in Spanien leben und arbeiten. Klären musst du drei andere Dinge: wo du sozialversichert bist, ab wann du in Spanien Steuern zahlst und ob du dich als Selbstständiger anmelden musst.
Auf einen Blick
- Visum: für EU-Bürger nicht nötig
- Steuern: ab mehr als 183 Tagen im Kalenderjahr in Spanien steuerlich ansässig
- Sozialversicherung Angestellte: bleibt nur unter Bedingungen im Heimatland, bei 100 % Arbeit aus Spanien gilt spanisches Recht
- Selbstständige: Anmeldung als Autónomo, Einstiegsbeitrag 80 € im Monat für 12 Monate (Stand Oktober 2026)
- Internet: Glasfaser für 95,92 % der Haushalte, 5G für 99,27 % der Bevölkerung
- Zeitzone: Andalusien wie Deutschland und Österreich, Kanaren eine Stunde zurück
Brauchst du das Digital-Nomad-Visum?
Nein. Spanien hat mit dem Start-up-Gesetz (Ley 28/2022) ein Visum für internationale Telearbeit eingeführt. Es richtet sich an Staatsangehörige von Ländern außerhalb der EU, die sonst kein Recht hätten, in Spanien zu leben. Für dich gilt die Freizügigkeit der EU: Du reist mit Pass oder Personalausweis ein und darfst sofort arbeiten, angestellt oder selbstständig.
Wo bist du sozialversichert?
In der EU gilt immer nur das Sozialversicherungsrecht eines Landes. Welches, hängt davon ab, wie und für wen du arbeitest.
Angestellt bei einem Arbeitgeber in Deutschland oder Österreich
Grundregel: Wer in Spanien wohnt und dort arbeitet, auch im Homeoffice, unterliegt dem spanischen Sozialversicherungsrecht. Dein Arbeitgeber muss dich dann bei der spanischen Sozialversicherung anmelden und dort Beiträge zahlen. Dafür braucht er keine Niederlassung in Spanien, aber eine Anschrift und einen Vertreter mit Wohnsitz im Land. Das kannst du selbst sein oder ein externer Dienstleister.
Eine Ausnahme schafft die europäische Rahmenvereinbarung zur grenzüberschreitenden Telearbeit, die Spanien, Deutschland und Österreich seit 1. Juli 2023 anwenden. Arbeitest du weniger als 50 % deiner gesamten Arbeitszeit von deinem Wohnstaat Spanien aus, kann die Sozialversicherung auf gemeinsamen Antrag im Land des Arbeitgebers bleiben. Wer zu 100 % aus Spanien arbeitet, fällt nicht darunter.
| Deine Situation | Sozialversicherung |
|---|---|
| Angestellt, weniger als 50 % der Arbeitszeit in Spanien, Antrag gestellt | kann im Land des Arbeitgebers bleiben |
| Angestellt, vollständig aus Spanien | Spanien, Anmeldung durch den Arbeitgeber |
| Vorübergehende Entsendung | Heimatland, Nachweis mit Bescheinigung A1 |
| Selbstständig mit Wohnsitz in Spanien | Spanien, als Autónomo |
Als Selbstständiger arbeiten
Wer in Spanien lebt und von dort für eigene Kunden arbeitet, meldet sich als Autónomo an: vor Beginn der Tätigkeit beim Finanzamt (Modelo 036) und bei der Sozialversicherung (RETA) über das Portal Import@ss. Die Rahmenvereinbarung zur Telearbeit gilt nur für Angestellte, nicht für Selbstständige.
- Einstieg: Für Neugründer gibt es die Tarifa plana von 80 € im Monat für 12 Monate. Sie verlängert sich um weitere 12 Monate, wenn dein Nettoertrag unter dem Mindestlohn bleibt. Du musst sie bei der Anmeldung ausdrücklich beantragen.
- Danach: Der Beitrag richtet sich nach deinem Nettoertrag. 2026 gelten dieselben Stufen wie 2025, sie reichen von gut 200 € bis gut 600 € im Monat.
- Kanaren: Statt der Mehrwertsteuer (allgemein 21 %) gilt dort der IGIC mit einem allgemeinen Satz von 7 %.
Die Anmeldung Schritt für Schritt steht unter Autónomo anmelden, die Besonderheiten der Inseln unter Selbstständig auf den Kanaren.
Ab wann zahlst du in Spanien Steuern?
Steuerlich ansässig bist du, wenn du dich mehr als 183 Tage im Kalenderjahr in Spanien aufhältst. Kurze Abwesenheiten zählen mit, solange du nicht nachweist, dass du in einem anderen Land steuerlich ansässig bist. Auch wer weniger Tage im Land ist, kann ansässig sein, wenn der Kern seiner wirtschaftlichen Interessen in Spanien liegt. Leben dein Ehepartner und deine minderjährigen Kinder in Spanien, wird die Ansässigkeit vermutet.
- Kein geteiltes Jahr: Spanien kennt keine Aufteilung. Du bist für das ganze Kalenderjahr ansässig oder gar nicht.
- Welteinkommen: Als Ansässiger versteuerst du dein gesamtes Einkommen in Spanien. Doppelte Belastung verhindern die Abkommen mit Deutschland und Österreich.
- Tarif: Der Grenzsteuersatz reicht 2026 in Andalusien von 19 % bis 47 % und auf den Kanaren von 18,5 % bis 50,5 % (staatlicher und regionaler Teil zusammen).
- Angestellte ohne spanischen Arbeitgeber: Hat dein Arbeitgeber in Spanien keine Betriebsstätte, muss er nach einer Auskunft der spanischen Steuerverwaltung vom Juni 2026 keine spanische Lohnsteuer einbehalten. Du erklärst den Lohn dann selbst in der Jahreserklärung und zahlst die Steuer auf einmal. Leg dafür Geld zurück.
Wer nur ein paar Monate bleibt und unter 183 Tagen im Jahr bleibt, wird in der Regel nicht in Spanien ansässig. Zähl deine Tage trotzdem mit und heb Belege wie Flugtickets und Mietverträge auf.
Gilt die Beckham-Regel für dich?
Die Sonderregelung für Zuzügler besteuert Arbeitseinkommen sechs Jahre lang pauschal mit 24 % (bis 600.000 €). Sie gilt unabhängig von der Staatsangehörigkeit, und die Steuerverwaltung nennt Telearbeit ausdrücklich als möglichen Umzugsgrund. Ob Angestellte aus der EU sie ohne das Telearbeitsvisum in jedem Fall bekommen, ist nicht eindeutig geregelt. Lass das vor dem Umzug für deinen Fall prüfen. Gewöhnliche Selbstständige fallen in der Regel nicht darunter. Den Überblick gibt Steuern in Spanien.
Wie bist du krankenversichert?
Die Europäische Krankenversicherungskarte deckt bei vorübergehendem Aufenthalt nur medizinisch notwendige Behandlungen im öffentlichen System, keine Privatärzte und keinen Rücktransport. Für ein paar Wochen reicht das, als Dauerlösung nicht. Sobald du in Spanien sozialversichert bist, als Autónomo oder über deinen Arbeitgeber, hast du Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Die Wege erklärt Krankenversicherung in Spanien.
Welche Orte eignen sich zum Arbeiten?
Belastbare Zahlen zu Coworking-Plätzen oder zur Größe der Szene gibt es nicht. Aus Erfahrung haben sich aber einige Orte bei Remote-Arbeitenden durchgesetzt. Die Mieten sind Angebotspreise von Idealista vom September 2026.
- Las Palmas de Gran Canaria (14,6 € pro m²): Stadtstrand, mildes Klima das ganze Jahr und viele andere, die ortsunabhängig arbeiten. Dafür bist du auf das Flugzeug angewiesen.
- Teneriffa: städtisch in Santa Cruz (14,0 € pro m²) und La Laguna (12,7 € pro m²), sonnig und teuer im Süden (Adeje 19,0 € pro m²).
- Málaga (16,5 € pro m²): großer Flughafen, Schnellzug nach Madrid, Strand in der Stadt. Die teuerste der großen andalusischen Städte.
- Granada (10,8 € pro m²): günstige Universitätsstadt mit Bergen vor der Tür. Weniger Flüge, heiße Sommer, kalte Winter.
- Fuerteventura: Corralejo in der Gemeinde La Oliva (18,8 € pro m²) zieht Surfer und Kiter an. Kleiner Wohnungsmarkt, wenig Stadt.
Ein WG-Zimmer kostete im ersten Quartal 2026 im spanischen Durchschnitt 430 € im Monat, in Málaga 437 €. Mehr Orte im Vergleich: Wohin in Spanien?
Mietvertrag für ein paar Monate
Für kurze Aufenthalte bekommst du meist einen Saisonvertrag (contrato de temporada). Er ist an einen Zweck und eine Dauer gebunden, die Schutzregeln für Wohnraum wie die fünfjährige Verlängerung gelten nicht, und die gesetzliche Kaution beträgt zwei Monatsmieten statt einer. Seit 1. Juli 2025 brauchen Kurzzeit- und Saisonvermietungen eine Registrierungsnummer, die im Online-Inserat stehen muss. Fehlt sie, lass die Finger davon. Mehr unter Wohnung finden in Spanien.
Wie gut sind Internet und Zeitzone?
Das Internet ist einer der stärksten Gründe für Spanien. Glasfaser bis in die Wohnung erreicht 95,92 % der Haushalte. Netze mit 1 Gbit pro Sekunde stehen rund 95 % der Haushalte zur Verfügung, im ländlichen Raum 86,01 %. 5G deckt 99,27 % der Bevölkerung ab. Laut EU-Kommission liegt Spanien bei allen Kennzahlen der digitalen Infrastruktur über dem EU-Durchschnitt.
Reine Glasfasertarife kosteten im September 2026 je nach Anbieter zwischen 10 und 27 € im Monat. Frag trotzdem vor der Buchung nach der Leitung in genau dieser Wohnung und lass dir einen Geschwindigkeitstest zeigen. Tarife und Anmeldung: Handy, Internet und Strom.
Bei der Zeitzone gibt es einen Unterschied: Andalusien hat dieselbe Uhrzeit wie Deutschland und Österreich. Die Kanaren liegen das ganze Jahr eine Stunde zurück. Dein Termin um 9 Uhr in Berlin oder Wien beginnt auf Teneriffa um 8 Uhr.
Papierkram, den wir für dich übernehmen:
- NIE-Nummer (ab 190 €)
- Anmeldung im Rathaus (Padrón) (120 €)
- Anmeldung als Selbstständiger (390 €)
- Anstellung für Remote-Arbeiter (ab 249 € pro Monat)
- Digitales Zertifikat und Cl@ve (120 €)
- Bankkonto und Bizum (150 €)
- Handy, Internet und Strom (ab 90 €)
- Steuern und Steuerwohnsitz (über Gestoría)
Häufige Fragen
Brauche ich als Deutscher ein Digital-Nomad-Visum für Spanien?
Nein. Das Visum ist für Staatsangehörige von Ländern außerhalb der EU gedacht. Als EU-Bürger darfst du ohne Visum und ohne Arbeitserlaubnis in Spanien leben und arbeiten.
Kann ich für drei Monate aus Spanien arbeiten, ohne dort Steuern zu zahlen?
In der Regel ja, solange du im Kalenderjahr nicht mehr als 183 Tage in Spanien bist und dein Lebensmittelpunkt woanders bleibt. Die Sozialversicherung ist ein eigenes Thema: Sprich vorher mit deinem Arbeitgeber über eine A1-Bescheinigung.
Muss ich mich als Selbstständiger in Spanien anmelden?
Wenn du in Spanien wohnst und von dort aus arbeitest, ja: als Autónomo beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung, und zwar vor Beginn der Tätigkeit.
Was kostet die Sozialversicherung als Autónomo?
Im ersten Jahr 80 € im Monat mit der Tarifa plana, wenn du die Voraussetzungen erfüllst. Danach richtet sich der Beitrag nach deinem Nettoertrag und liegt zwischen gut 200 € und gut 600 € im Monat (Stand Oktober 2026).
Quellen
- Spanisches Arbeitsministerium: Fernarbeit für ein Unternehmen in Deutschland
- Belgische Sozialversicherung: Rahmenvereinbarung zur grenzüberschreitenden Telearbeit
- Agencia Tributaria: Steuerliche Ansässigkeit natürlicher Personen
- Agencia Tributaria: Sonderregelung für Zuzügler
- Ministerio para la Transformación Digital: Bericht zur Breitbandabdeckung 2026
- Seguridad Social (Import@ss): Anmeldung als Selbstständiger
Stand: Oktober 2026
Titelbild: Pepelopex · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
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